Mitessen

Der Tiger kommt auf den Teller
Ab September 2018 wird es zum ersten Mal Gerichte sowie Fleisch- und Wurstwaren vom Ansbach-Triesdorfer Rind geben. Da aber nur wenige Tiere für die Vermarktung zur Verfügung standen wird das Angebot in diesem Jahr noch sehr begrenzt sein. Folgende Restaurants, Metzgereien und Läden werden Waren anbieten:
Restaurants
 Metzgereien
Läden
  • ebl-Naturkost bietet in seinen 27 Läden in der Metropolregion Nürnberg ebenfalls Fleisch- und Wurstprodukte des Ansbach-Triesdorfer Rindes an. Allerdings können diese aufgrund der zu geringen Menge noch nicht eigens als solche deklariert werden. http://www.ebl-naturkost.de/

 

Bei Interesse an der Erzeuger- und Vermarktergemeinschaft oder dem Bezug von Fleisch können Sie uns gerne kontaktieren. Außerdem finden Sie hier ein Infoblatt (pdf) zum Ausdrucken, mit dem Sie beispielsweise andere Landwirte oder Vermarkter auf das Triesdorfer Tigerrind aufmerksam machen können.

 

„Warum haben Tiger Punkte?“

– Artikel zur Auftaktveranstaltung „Fleischvermarktung des Ansbach-Triesdorfer Rind“ –

Diese Frage stellte eine Kundin Metzgermeister Prosiegel aus Markt Berolzheim, als dieser für sein Fleisch vom „Triesdorfer Tiger“ warb.

Bei der Auftaktveranstaltung zur Verwertung des Tigerrindfleisches Mitte September auf dem Hof der Familie Grund in Kästel erklärte sich dies Ursula Pfäfflin Nefian vom Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes so: Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Zucht dieser Rasse vom „wilden“ Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich in seiner Hofhaltung in Triesdorf begonnen wurde, hatten die Menschen noch nie einen Tiger gesehen hatten. Fernsehen oder gar Internet wurden erst Jahrhunderte später erfunden und so gab es nur Berichte von Fernreisenden, die von ungewöhnlich gezeichneten Tieren, den Tigern, berichteten. Und ungewöhnlich sah ja auch die neue Rinderrasse aus, die da in der Nähe von Ansbach das Licht der Welt erblickte: statt der schmächtigen, rein gelben einheimischen Rinder wuchsen dort durch Einkreuzungen des schwarz-weißen Niederungsrindes aus den Niederlanden, Simmentalern aus der Schweiz und weiteren Rassen im Laufe der Jahre riesige Kühe und Bullen heran, die auch noch schwarz-weiß, braun-weiß oder sogar getüpfelt waren. Ihre Besitzer waren so stolz auf die Tiere, daß sie sich oft mit ihnen proträtieren ließen. Zwei Bullen, die 1787 zur Schlachtung nach Paris verkauft worden waren, wurden dort erst mal in einem Zelt gegen Eintritt ausgestellt – so ungewöhnlich waren ihre Größe und ihr Erscheinungsbild.

Dennoch blieben die Ansbach-Triesdorfer Rinder immer eine zutiefst fränkische Rinderrasse, die kaum über ihre Ursprungsregion verbreitet wurde. Brauchten die Bauern sie doch nicht nur wegen ihrer enormen Fleisch- und Milchleistung, sondern v.a. auch wegen ihrer Stärke als wertvolle Arbeitstiere.

Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft wurden die Ansbach-Triesdorfer nach und nach verdrängt, so daß sie schon in den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts fast als ausgestorben galten. Doch einige Bauern hielten ihren Tigern die Treue, so daß der im Jahr 1992 gegründete Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes e.V. mit ca. 40 Rindern und sieben Züchtern begann, die Rasse gezielt zu züchten und zu erhalten. Dadurch konnte der Bestand bis zum Jahr 2018 auf 138 anerkannte Kühe und 5 Bullen erhöht werden.

Um dieses fränkische Kulturgut jedoch dauerhaft zu erhalten wurde mit dem Startup „Der Tiger kommt auf den Teller“ ein neuer Schritt getan. Landwirt Reinhold Schneider aus Pleinfeld berichtete bei der Auftaktveranstaltung davon, wie sich seine nun geschlachteten Tigerochsen entwickelt haben. Die ca. zweijährigen Tiere erzielten dabei sehr gute Ergebnisse; Ochse Zeus mit 397 kg Ausschlachtung sogar mehr als alle Fleckviehochsen, die Reinhold Schneider zuvor aufgezogen hatte.

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Metzgermeister Christian Engelhard

Über die Qualität des Fleisches konnten Metzgermeister Christian Engelhard aus Wassertrüdingen und der Hotelier und Gastwirt Stefan Rottner aus Nürnberg nur Positives berichten. Christian Engelhard überzeugten nicht nur der leckere Geschmack und die gute Marmorierung, sondern auch die tolle Farbe und der gute Geruch. Ähnliches berichtete Stefan Rottner, dessen Köche bei der Zerlegung des Ochsen „Struppi“ bei Metzgermeister Gruber in Großweingarten dabei waren. In seinem Romantikhotel wird es nun bald – neben weiteren Gerichten – Sauerbraten vom Ansbach -Triesdorfer Tigerrind, Petersilienwurzel und Zwetschge.

Daß gutes Fleisch auch seinen Preis haben muß veranschaulichte Konrad Wagner, Zuchtleiter beim Fachzentrum Fleischrinderzucht und Mutterkuhhaltung Schwandorf. Mit den heutigen Preisen für Rindfleisch kann kein landwirtschaftlicher Betrieb, der die Tiere in Mutterkuhhaltung auf der Weide züchtet, mehr wirtschaftlich arbeiten. Hier sei ein Umdenken der Verbraucher notwendig.

Welche Bedeutung die großen Weidetiere nicht nur für die Landwirte, sondern auch für den Klimaschutz haben, erläuterte Dr. vet. Anita Idel, die unter anderem von 2005 bis 2008 Lead-Autorin des Weltagrarberichts war. Denn nicht nur die Wälder speichern das klimaschädliche Kohlendioxid, sondern auch die Gräser. Graslandschaften sind jedoch auf das Abfressen durch Weidetiere angewiesen, und gerade die Kuh kann das für Menschen ungenießbare Futter in wertvolle Milch und Fleisch umsetzen.

In ihrer Funktion als Mitglied der Archekommission von Slow Food Deutschland konnte Dr. Anita Idel den zahlreich erschienenen Gästen auch die Botschaft überbringen, daß die Ansbach-Triesdorfer Rinder nun in die Arche des Geschmacks von Slow Food aufgenommen wurden. Es gelte nun, sie zu „bewahren durch aufessen“. Als erste konnten damit die Gäste der Auftaktveranstaltung beginnen, die Tigerfleisch-Kostproben der Metzgereien Engelhard und Gruber, des Restaurants Rottner sowie von ebl-Naturkost genießen durften.

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