Über das Ansbach-Triesdorfer Rind

Die (neuere) Geschichte der Tiger

Das Ansbach-Triesdorfer Rind geht auf den Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich zurück, der 1740 sieben Kühe des Niederrungsrindes aus dem heutigen Holland in seine Hofhaltung nach Triesdorf bringen ließ. Durch Einkreuzung mit den fränkischen, rotbunten Landschlägen wollte er die Milchleistung der einheimischen Rinder verbessern. Aber erst seinem Sohn Carl Alexander gelang durch die Einkreuzung schwarz-weißer Höhenrinder aus der Westschweiz eine deutliche Steigerung der Milch-, Fleisch- und Arbeitsleistung („Gefährdete Nutztierrassen“, Hans Hinrich Sambraus, 3. Auflage, 2010, Seite 149). Nach zeitgenössischen Beschreibungen und Bildern waren die Ansbach-Triesdorfer im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts überaus beeindruckend. Eine Beschreibung aus der damaligen Zeit lautete: „Der Rosenwirt zu Ansbach kaufte im Jahr 1787 für 1200 Gulden in Triesdorf zwei Mastochsen mit einem Gewicht von 32 und 34 Zentnern. Er verschickte sie zum Schlachten nach Paris; doch zuvor wurden sie dort in einem Zelt als Sehenswürdigkeit gegen Eintrittsgeld zur Schau gestellt.“ (zitiert nach Hans Hinrich Sambraus, „Gefährdete Nutzttierrassen“, 3. Auflage, 2010, S. 149). Hans Hinrich Sambraus weiter: „Im Rückblick scheint das Ansbach-Triesdorfer Rind die erste deutsche Hochzuchtrasse gewesen zu sein.“ („Gefährdete Nutztierrassen“, Hans Hinrich Sambraus, 3. Auflage, 2010, Seite 155).

Nach zwei Seuchenzügen 1792 und 1800, bei dem fast der komplette Bestand in Triesdorf verloren ging, wurde die Rasse ab 1801 neu aufgebaut.

Ursprünglich nur in Mittelfranken und später in Unterfranken verbreitet konnte sich die Rasse zwischen 1860 und 1880 auch in Oberfranken und Nordschwaben ausbreiten.

Eine der Hauptursachen für den Niedergang der Triesdorfer Tiger war das 1888 verabschiedete Bayerische Körgesetz. Das Ansbach-Triesdorfer Rind war immer ein Kreuzungsrind gewesen. Durch die nun geforderte Reinzucht mussten die Fränkischen Züchter ihre Kreuzungszucht weitgehend aufgeben. Die Rasse wurde aufgeteilt in einerseits Fleckvieh und andererseits Tiger bzw. Mohrentypen. In der Folge konzentrierten sich die meisten Züchter auf das Fleckvieh. Die Triesdorfer Tiger wurden zu einem Schattendasein verurteilt und gingen als Farbschlag im Fleckvieh unter.

Interessant sind in diesem Zusammenhang die Erhebungen von Oskar Knispel. Er hat in seinem Werk „Die Verbreitung der Rinderviehschläge in Deutschland, 1907″ dokumentiert, dass es im Jahr 1896 noch 190110 anerkannte Ansbach-Triesdorfer Rinder gab, was 5,7 % der Rinderbestände in Deutschland entsprach. Im Jahr 1906 waren es nur noch 89601 und damit 2,58 % der Rinderbestände in Deutschland. Dieser rapide Rückgang innerhalb von nur 10 Jahren ist heute nach einhelligerMeinung vor allem auf das Körgesetz zurückzuführen.

Erste Erhaltungsmaßnahmen

Doch bereits damals begannen Maßnahmen, um die Rasse zu erhalten. Da sich die Zucht von Breitenburger Rindern in Triesdorf nicht bewährt hatte, ordnete der damalige Landrat an, sich auf die Zucht sorgfältig ausgewählter getigerter Tiere zu konzentrieren. Der landwirtschaftliche Kreisausschuß von Mittelfranken errichtete in Leutershausen und Windsbach Musterzuchtstationen mit der Aufgabe, geeignete Tigerbullen zu finden und aufzustellen. Zusätzlich mußten auf dem Gut in Triesdorf 12 – 15 Kühe sowie ein Bulle gehalten werden.

 

Im Jahr 1897 wurde eine “Stammzuchtgenossenschaft zur Reinzucht des Ansbach-Triesdorfer Rindes in Ansbach und Umgebung“ gegründet und mit einem Herdbuch begonnen. Leider ging diese Genossenschaft bereits ein Jahr später im „Zuchtverband für das Fleckvieh Simmerntaler Charakters in Mittelfranken auf.

Dennoch gab es immer Freunde des Ansbach-Triesdorfer Tigers, die sich dieser Rasse verbunden fühlten. Im Jahr 1914 schlug der Tierzuchtinspektor Schmid aus Ansbach vor, „alle Anhänger des einst wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes beliebten und mit Recht geschätzten Viehschlags zu einer größeren Zuchtgenossenschaft zusammenzuschließen, um die Bullenaufzucht, event. auch die Einfuhr, zu fördern, sowie den Austausch und Zukauf weiblicher Tiere zu ermöglichen, und auf diese Weise das bisher zerstreute, gute Zuchtmaterial in den Genossenschaften zu sammeln. Es wäre damit einem lange gehegten Wunsche der so zäh und mit besonderer Liebe an ihrem Viehschlag hängenden Züchter Rechnung getragen.“

Der für lange Zeit letzte Versuch zur Erhaltung des Triesdorfer Tigers wurde 1917 vom Ansbacher Ortsverein des Fleckviehzuchtverbands gestartet. Der erste Weltkrieg verhinderte weitere Aktivitäten in diese Richtung.

Im Rückblick erscheint eine weitere Ursache für den Niedergang der Rasse zu sein, dass man es lange versäumt hatte, sie von einem Dreinutzungs- auf ein Zweinutzungsrind umzuzüchten. Nachdem die große Stärke der Tiger, ihre Arbeitsleistung, mit der Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft nicht mehr gefragt war, hielten nur noch wenige Idealisten an der Rasse fest.

Erhaltungszucht heute

Um ihr völliges Aussterben zu verhindern, gründeten Prof. Dr. Richard Herrmann und sechs weitere Freunde der Rasse 1992 den „Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes e.V.“. Eine der ersten wesentlichen Aktivitäten des Vereins war die Absamung des Tigerbullen „Alpha“. Damit standen erstmalig 100 Samenportionen für eine künstliche Besamung zur Verfügung.

Wesentlich beigetragen zur Sicherung der Rasse hat der Eintritt von Franz Probst Ende der 1990ger Jahre in den Verein. Obwohl kein Bauer hatte er sich schon immer für vom Aussterben bedrohte Haustierrassen interessiert. Durch seine monatelange Arbeit mit Rindern bei den Amisch in den USA erwuchs seine besondere Liebe zu Rindern. Zurück in Deutschland begab er sich auf die Suche nach Informationen über gefährdete Rinderrassen und stieß über das Zentrale Landwirtschaftsfest in München und eine Broschüre der Bayerischen Staatsregierung über gefährdete Rassen auf die Ansbach-Triesdorfer. Für ihn war es völlig unverständlich, daß so wertvolle Tiere dermaßen im Bestand gefährdet sind. Anfangs mit Prof. Dr. Herrmann, später alleine, besuchte er die wenigen Betriebe, die damals Triesdorfer Tiger hatten. Dabei richtete sich sein Augenmerk neben den weiblichen Tieren immer auch auf Tigerbullenkälber, die für eine Absamung geeignet waren. Neben der Zeichnung waren die typischen Charakteristika der Tiger wie ein gutes Fundament, Langlebigkeit, Leichtkalbigkeit, Fitness, eine gute Futterverwertung und gute Leistungen aus dem Grundfutter heraus ausschlaggebend. Die Tiere sollten zudem über dunkle Hornspitzen sowie dunkle, harte Klauen und ein dunkles Flotzmaul verfügen.

6 Tigerbullen

Als Prof. Dr. Herrmann und Franz Probst erfuhren, auf einem Betrieb in Custenlohr gäbe es einen geeigneten Tigerbullen, fuhren sie hin und waren von dem Bullen begeistert. Sie wollten ihn unbedingt absamen lassen. Einige Zeit später brachte Franz Probst ihn auf einem Lastwagen zur Besamungsstation München Grub, wo er kostenlos abgesamt wurde. Damit gab es mit „Pregor“, wie der Bulle nun hieß, endlich auch Spermaportionen eines Triesdorfer Tigers bei einer Besamungsstation.

Den 2. Bullen, „Winner“, der abgesamt wurde, sah Franz Probst zufällig als Kalb bei einem Betriebsbesuch und war von seiner Zeichnung fasziniert. Er wurde aufgekauft und zuerst im Betrieb von Prof. Dr. Herrmann, später im Betrieb von Michael Engelhardt, Leutenbuch, aufgezogen und anschließend ebenfalls in Grub abgesamt. Er ist bis heute der Bulle, der die meisten für die Tiger so typischen Pünktchen vererbt.

Der 3. KB-(künstliche Besamung) Bulle, „Matiger“, entstand auf einem Betrieb in Unternesselbach durch den gezielten Einsatz des Fleckviehbullen „Malefitz“ auf Embryonen der wunderschön gezeichnete Tigerkuh „Ester“, die zudem auch eine sehr gute Milchleistung hatte. „Matiger“ wurde vom BVN (Besamungsverein Neustadt/A.) aufgekauft und durchlief als erster Tiger das komplette Prüfverfahren. Dadurch wurde er auch in zahlreichen Fleckvieh-Milchbetrieben eingesetzt und brachte zahlreiche Nachkommen.

Der Embryotransfer wird unter den Tigerzüchtern immer wieder einmal diskutiert., spielte bislang jedoch kaum eine Rolle.

„Obtiger“, der 4. Tigerbulle aus einem Betrieb in Veitswend, war dann der erste abgesamte Tigerbulle, der mehr Weiß in die Zucht brachte. Dies gelang, weil Franz Probst, immer auf der Suche auch nach geeigneten Fleckviehbullen, den Betrieben empfahl, den überwiegend weißen Fleckviehbullen „Vanstein“ einzusetzen. Mit großem ideellen, aber auch finanziellem Aufwand der Tigerliebhaber konnte „Obtiger“ in einen Aufzuchtbetrieb vermittelt und später in Höchstadt/Donau abgesamt werden. Mit „Obtiger“ stand nun auch ein Bulle zur Verfügung, der aufgrund seiner guten Fleischwerte auch für die Mutterkuhbetriebe sehr interessant war.

Zuchtbulle_Webtiger

„Webtiger“

Wie die meisten anderen KB-Bullen auch wurde „Webtiger“, der 6. und bislang letzte abgesamte Tigerbulle, als Kalb von Franz Probst auf einem Betrieb in Ipsheim entdeckt. Seine Absamung war möglich, als die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und vom Aussterben bedrohter Haustiere) noch etwas Geld aus einem Förderprogramm übrig hatte und sich ihr Rinderbetreuer auf die Suche nach einer günstigen Besamungsstation begab. Diese fand er mit dem BVN in Neustadt/A., und so wurde „Webtiger“ dort als bislang letzter Tiger abgesamt. Durch „Webtiger“ stehen nun erstmals auch für Kalbinnen geeignete Samenportionen zur Verfügung. Zudem wird „Webtiger“ auch im Natursprung genutzt.

Bereits zuvor war „Raltiger“ ohne Zutun des Vereins zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes abgesamt worden. Er entstand ebenfalls aus Embryotransfer der Tigerkuh „Ester“ auf dem Staatsgut Almesbach und war aufgrund seiner genetischen Hornlosigkeit auch für viele Fleckvieh-Züchter interessant, da nun der Trend zur Hornloszucht entstand.

Die Liebe zu den Tigern

Einen großen Beitrag zur Verbreitung der Tiger leistete der Landwirt Michael Engelhardt.

Auf dem „Michelhof“ in Leutenbuch gab es schon lange Tigerkühe. Als Michael Engelhardt 1979 den Hof übernahm stand jedoch nur noch eine Tigerkreuzung und eine Fast-Tigerkuh auf dem Betrieb. Seine Liebe zu den Ansbach-Triesdorfern veranlasste Michael Engelhardt, diese nun ganz gezielt zu züchten, ganz bewusst auch durch den Zukauf geeigneter Bullen. So stand lange Zeit „Webtiger“ bei ihm und dessen Nachfolger „Theo“ wächst schon heran. Michael Engelhardt ist es auch zu verdanken, dass andere Bauern überhaupt mit den Tigern beginnen konnten, da er immer wieder bereit war, auch weibliche Tiere zu verkaufen.

Gemeinsam mit Albrecht Strotz, dem Zuchtleiter des Rinderzuchtverbands Franken, stellten sie 2016 in einem Fernsehbeitrag für den Bayerischen Rundfunk das Ansbach-Triesdorfer Rind einer breiteren Öffentlichkeit vor. (https://www.youtube.com/watch?v=2FTjQvg1-rE). Dadurch interessierten sich plötzlich auch Betriebe außerhalb Frankens für die Rasse. Nicht nur ihre Genügsamkeit und hohe Lebensleistung, sondern auch ihre harten Klauen machten sie für Laufstallbetriebe interessant, da es dort immer wieder zu Klauenproblemen kommt.

Ein weiterer Schritt zur Rettung der Tiger begann, als Franz Probst im Sommer 2010 in einem Telephonat Ursula Pfäfflin Nefian für die Rasse begeistern konnte. Sie setzte sich im Landkreis Neustadt/A.-Bad Windsheim für vom Aussterben bedrohte Haustierrassen ein. Über die GEH war er auf sie gestoßen bei seiner Suche nach einem/einer MitstreiterIn für die Sache der Tiger. Südlich von Augsburg wohnend wurde es für Franz Probst immer schwieriger, den nördlichen Bereich von Franken mit Betriebsbesuchen zu betreuen. Dies war und ist aber notwendig, um einen Überblick über die Entwicklung der Tiger zu behalten und die Landwirte durch entsprechende Beratung auch in ihrer Zucht zu unterstützen. Nach diesem Telephonat hatte er nicht nur eine Mitstreiterin gefunden, sondern Ursula Pfäfflin Nefian kaufte auch die Tigerkuh „Lissy“ aus einem Aufgabebetrieb in der Oberpfalz. Weiterleben konnte „Lissy“ auf einem Mutterkuhbetrieb in Kästel, der ein Jahr zuvor mit einem Jungbullen und zwei Kalbinnen mit der Erhaltungszucht der Tiger begonnen hatte.

Damit nahm auch die Mutterkuhhaltung, die bis dato in 2 – 3 Hobbybetrieben geschlummert hatte, Fahrt auf. Denn im Unterschied zu Milchviehbetrieben war es nun notwendig, dass weibliche Tiere nach ca. 6 Monaten verkauft wurden. Schließlich sollten sie nicht zu früh vom mitlaufenden Bullen, zuerst dem „Winner“-Sohn „Winan“, später dem „Obtiger“-Sohn „Rüdiger“, gedeckt und damit gefährdet werden. Die Vermittlung der Tigerkalbinnen war zwar immer schwierig, aber möglich. Doch im Jahr 2015 konnte für die beiden Kalbinnen „Bärbel“ und „Meggy“ einfach kein Abnehmer gefunden werden, so dass die beiden schweren Herzens an einen Mastbetrieb verkauft wurden. Doch damit war das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Im Herbst 2015 stieß über die – veraltete und sehr unattraktive Webseite des Vereins – eine Berlinerin zum Verein. Als im Januar 2016 die Organisatoren der Demo „Wir haben es satt“ dazu aufriefen, Bilder von unterschiedlichen Rinderrassen für Plakate zur Demo einzureichen, legte sie Bilder der Tigerkuh „Rosa“ vor und lief auch mit einem Bild von „Rosa“ über die Demo. Dabei wurde sie von Daniel Hertwig angesprochen, der aus Ansbach stammt und so erstmals auf die Rinderrasse mit diesem Ort im Namen traf. Er recherchierte im Internet und fand, dass die Tiger und der Verein eine zeitgemäße Internetseite verdient hätten. Deshalb bot er an, kostenlos eine völlig neue Homepage für den Verein zu erstellen. Dies war ein weiterer Glücksfall für die Tiger, denn nun hatten interessierte Züchter Zugang zu aktuellen Informationen über die Rasse und auch Laien konnten sich dort besser informieren.

Auf diesem Weg stieß Tobias Heil zu den Tigern – und damit ein weiterer Glücksfall für die Tiger. Er wollte zusammen mit einem Freund Ansbach-Triesdorfer Rinder hobbymäßig züchten und wandte sich an Ursula Pfäfflin Nefian, die gemeinsam mit Franz Probst die Vermittlung der Tiger übernommen hatte. Doch zu dem Zeitpunkt gab es kein einziges weibliches Tier, das zum Verkauf anstand. Nur „Bärbel“ und „Meggy“ standen weiterhin auf dem Mastbetrieb. Die beiden Freunde wollten sie dort rauskaufen, Tobias Heil „Bärbel“, sein Freund „Meggy“. Der Mäster war damit auch einverstanden, doch leider war „Meggy“ schon gedeckt und verstarb im Mastbetrieb. „Bärbel“ gelangte zu Tobias Heil und wurde der Beginn der „Spessarttiger“.

Für Tobias Heil stand von Anfang an fest, dass er herdbuchmäßig züchten und die Tiger so weiter voranbringen will. Nur gab es kein Herdbuch für Ansbach-Triesdorfer in Mutterkuhhaltung, sondern nur als Untergruppe des Fleckviehs im Milchbereich. Also nahm er Kontakt zum Zuchtleiter des Fleischrinderzuchtverbands Bayern auf und überzeugte ihn – ganz besonders mit „Bärbel“ – davon, für die Ansbach-Triesdorfer ein Herdbuch zu eröffnen. So gibt es nun seit dem 1. November 2018 erstmalig ein Herdbuch A und B für Ansbach-Triesdorfer Rinder in Mutterkuhhaltung – ein großer, wichtiger Schritt zum Erhalt der Rasse.

Der Tiger kommt auf den Teller

Das Schickasl von „Bärbel“ und „Meggy“ brachte parallel zu dieser Entwicklung Ursula Pfäfflin Nefian auf die Idee, die Tiger zum einen noch bekannter und zum anderen auch für die Landwirte attraktiver zu machen. Dies sollte durch eine gezielte Vermarktung des Tigerrindfleischs über eine eigene Erzeuger- und Vermarktungsgemeinschaft erfolgen. Ab Januar 2016 gewann sie dafür nach und nach sowohl Landwirte wie auch Gastwirte, Metzger und eine große Biolebensmittelkette im Raum Nürnberg. Im April 2016 fand ein erstes Treffen mit allen Interessierten in der Schauküche der Biolebensmittelkette in Fürth statt, wo auch die erste Verkostung eines Tigerjungbullen durch einen Spitzenkoch angeboten wurde. Zweieinhalb Jahre dauerten die Vorbereitungen. Am 17. September 2018 wurde dann mit einer gemeinsamen Aktion die Tiger-Vermarktung begonnen werden.

Bärbel

„Bärbel“, der 1. Spessarttiger 

Der Tiger wird Passagier der Arche des Geschmacks

Derweil nahm Tobias Heil Kontakt zu Slow Food auf, um die Tiger in die Arche des Geschmacks aufzunehmen. Durch die Unterstützung durch die Convivien „Altmühlfranken“ und „Mainfranken“ soll das Wissen um die Triesdorfer Tiger weiter verbreitet und mehr Menschen erreichen werden.

Durch all diese Maßnahmen konnten die Ansbach-Triesdorfer Rinder von ca. 30 Tieren in ca. 10 Betrieben im Jahr 1992 auf derzeit (2018) 138 anerkannte Kühe und fünf Bullen in insgesamt 42 Betrieben (ohne Mutterkuhbetriebe und Milchviehbetriebe außerhalb Bayerns; da es dort noch keineHerdbücher gibt, fehlt eine entsprechende Anerkennung der Rinder) ausgebaut werden. Aber auch damit ist die Rasse weiterhin extrem gefährdet, zumal die meisten Tiere in kleineren Milchviehbetrieben stehen, die so nach und nach mit der Milchwirtschaft aufhören. Daher kommt dem Erfolg der Vermarktung hohe Bedeutung zu – und auch einem neuen KB-Bullen mit guten Zuchtwerten und schöner Zeichnung.

Daher ist derzeit ein weiterer Arbeitsschwerpunkt des Vereins zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes e.V. die Suche nach einem Bullenkalb, welches für die Absamung geeignet ist. Dies ist bei den Tigern recht schwierig, da viele in Frage kommende Tiere keine passenden Papiere haben, da ihre Vorfahren aus Mutterkuhbetrieben stammten. Oder die Leistungsdaten sind für RZV (Rinderzuchtverband Franken) oder Besamungsstationen nicht gut genug. Oder die Zeichnung ist zu dunkel. Oder sie haben einen zu hohen Fremdblutanteil. Mit diesen vordringlichen Fragen wird sich der Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes weiterhin intensiv unter züchterischen und Aspekten der Gesundheits-/Fitness, Futterverwertung und Weidetauglichkeit auseinandersetzen.

Der Tiger – ein fränkisches Kulturgut

Das Ansbach-Triesdorfer Rind war immer eine zutiefst fränkische Rinderrasse. Sein Verbreitungsgebiet ist nie weit über Franken hinausgegangen. Trotz vieler Rückschläge (Seuchenzüge, Bayerisches Körgesetz, Industrialisierung der Landwirtschaft und damit Bedeutungsniedergang der Arbeitsleistung der Rinder) hatten die Tiger immer ihre Anhänger in der bäuerlichen Landwirtschaft. Die über Jahrhunderte entwickelte fränkische Landrasse kann mit Fug und Recht als ebenso bedeutsames fränkisches Kulturgut angesehen werden wie die Nürnberger Burg.

Den genügsamen und langlebigen Tieren kommt in Zeiten des Klimawandels eine enorme Bedeutung zu: Viele Gebiete Frankens hatten schon immer karge, trockene und steinige Böden. Die Triesdorfer Tiger kamen und kommen mit dem dort wachsenden Futter gut zurecht. Allein aus dem Grundfutter generieren sie eine beachtliche Milch- und Fleischleistung. Aufgrund ihrer harten Klauen gibt es derzeit auch vorsichtiges Interesse von Laufstallbetrieben, da das dortige Fleckvieh mit seinen weichen Klauen im Gegensatz zu den Ansbach Triesdorfer Rindern auf den Spaltenböden große Probleme hat.

Die Fleischschiene, die überwiegend von Biobetrieben getragen wird, bietet jedoch auch konventionellen Landwirten ein weiteres Standbein und somit eine Möglichkeit, ihren Betrieb zu erhalten.

Ursula Pfäfflin Nefian, Oktober 2018

 


Mehr erfahren Sie auch in diesem kurzen Video des Bayerischen Rundfunks über die Ansbach-Triesdorfer Rinder.

 

 

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